PAKIV

Pakiv ist das Roma-Netzwerk für die europäischen Aktivitäten der Freudenberg Stiftung. Mit seiner Reflexionsgruppe hat Pakiv entscheidend die Entwicklung der sogenannten „Weinheim Declaration“ mit Handlungsempfehlungen zur Bildung und Integration von Roma in Europa geprägt.

„Pakiv“ ist ein Wort aus dem Romanes und bedeutet so viel wie Treue, Ehrlichkeit, Vertragstreue, Werte: also das, was die Roma für das Verhalten untereinander und mit Nicht-Roma fordern.

Was macht Pakiv?

Aktuell ist das wichtigste Projekt der „Pakiv Reflexion Group“ ist die Publikation des Sammelbandes „From Victimhood to Citizenship: The Path of Roma Integration“. Bei dem Buchprojekt handelt es sich um den Versuch, unter Roma selbst einen Dialogprozess in Gang zu setzen, und zwar vor allem zu Fragen der Ethik. Zentrales Ziel der Autoren und der Unterstützer ist es, die Bedingungen zur Wahrnehmung der Bürgerrechte durch die Roma selbst zu verbessern.

Warum wirkt die Freudenberg Stiftung bei Pakiv mit?

Pakiv ist das Roma-Netzwerk für die europäischen Aktivitäten der Freudenberg Stiftung und berät u.a. das Forum for Roma Inclusion.

Kontakt

Pakiv European Roma Fund
Nikolay Kirilov
Pozsonyi ut 14. II/9
1137 Budapest, Hungary
Tel. 0036-1-237–6020
Fax 0036-1-237-6029
n.kirilov@pakiv.org
http://pakiveuropeanromafund.wordpress.com

CHANGE STORY

In der fünften Klasse gab es ironische Bemerkungen und Hänseleien wegen Marians Herkunft als Zigeuner. Schon längst wäre er nicht mehr in die Schule gegangen, wenn nicht seine Mutter immer wieder eindringlich mit ihm gesprochen hätte. Englisch machte Marian am meisten Spaß. Leider hatte er nur dort gute Noten. Es reichte nicht für das Gymnasium. Die Oberschule mit Automechaniker-Lehre war eine Notlösung. Auch hier war Marian der einzige Rom. In der ganzen Stadt waren vielleicht 5 von 500 Oberschülern Roma.

Im Frühjahr 2003 sah er die Ausschreibung für den zweiten Durchgang des „International Leadership and Community Development Training“. Er bewarb sich und wurde als einer von sechs Bulgaren unter 120 Konkurrenten ausgewählt. Alle 22 Trainees aus vier Ländern kamen nach Sofia, auf dem Programm für das Jahr standen: Englisch lernen, Teambildung, Stärken-Schwächen-Analysen, Berichte schreiben, Konflikte bearbeiten, Vereinsgründungen, Betriebswirtschaft, einen Businessplan schreiben. Höhepunkt des Trainings war ein sechswöchiger Aufenthalt am International People‘s College in Dänemark. Dort kam hinzu Projektmanagement, Monitoring, Anträge stellen, Public and Media Relations, Menschrechte. Das Programm trug den Namen Pakiv, was auf Romanes soviel bedeutet wie „Vertrauen“ und „gute Sitten“. Vielleicht der wichtigste Teil des Jahres aber waren die Gespräche nach und zwischen den Kursen über Fragen ihrer Identität und des Verhältnisses zu der Mehrheitsgesellschaft. Sie stellten bei sich selbst ein tiefes Misstrauen und oft zynische, unfruchtbare Abwehr gegen die Gadje fest. Das wollten sie ändern. Sie wollten, dass Vertrauen und gute Sitten nicht nur ihr Verhältnis untereinander sondern auch zu den Partner/innen der Mehrheitsgesellschaft bestimmen sollte, mit denen sie zusammenarbeiten wollten. Bei ihrer Rückkehr Ende November bereiteten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Unterstützung ihrer Mentorinnen und Mentoren aus dem ersten Durchgang Berichte vor und konzipierten Projekte für Roma-Siedlungen in ihren Heimatländern vor.

Für Marian begann ein neues Leben. Er bekam die Chance bei der Stiftung „Creating Effective Grassroot Alternatives“ in Sofia zu arbeiten, die demokratische Entwicklung von benachteiligten Kommunen auf der Basis von lokalen Lösungsplänen fördert. Marian hat dort die Aufgabe lokale Roma-Initiativen zu identifizieren und deren Wachstum zu unterstützen. Seit zwei Jahren studiert er Business Administration, um die von ihm betreuten Roma-Organisationen besser beraten zu können. Vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Trainings ging es ähnlich. Fast alle begannen oder beendeten nach dem Training ihr Studium. Einige gingen als Fachleute in Ministerien und Verwaltungen, zwei schafften es bis zum Staatssekretär und zur Regierungssprecherin. Etwa 25 der 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der beiden Durchgänge des Trainings haben sich 2007 zum Pakiv European Network zusammengeschlossen. Marian ist heute dessen Präsident und koordiniert zusammen mit den aktivsten Mitgliedern des Netzwerks die meist mit EU-Mitteln geförderten internationalen Kooperationsprojekte und die jährlichen Fachaustauschtreffen.