Deutsche Zustände 2010

Am 03. Dezember 2010 wurden die diesjährigen Ergebnisse der Langzeitstudie „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ in Berlin vorgestellt. Seit 2002 wird dabei das Ausmaß und die Ursachen von Vorurteilen gegenüber einer ganzen Reihe von Adressatengruppen untersucht. Gefördert von der Freudenberg Stiftung werden die Ergebnisse regelmäßig im Frühjahr gemeinsam mit Praktikern aus der anti-rassistischen und Demokratie-fördernden Arbeit in Weinheim diskutiert.

Bei der Ergebnispräsentation standen in diesem Jahr die oberen Einkommensgruppen im Fokus der Aufmerksamkeit. Auch wenn nach wie vor viele Vorurteile in unteren Einkommensgruppen besonders verbreitet sind, zeichnet sich eine neue, alarmierende Entwicklung ab: Die Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit hat im vergangenen Jahr gerade in der oberen Einkommensgruppe deutlich zugenommen. So fordert diese Gruppe beispielsweise im Besonderen Vorrechte für Etablierte. Dies tun vor allem jene Befragte, die sich zur Zeit der Befragung im Mai/Juni 2010 von der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung bedroht fühlen. Deren Anteil ist von 47 auf 53 Prozent signifikant gestiegen. Mit dem Einkommen nimmt die Bereitschaft, Arbeitslose und Hartz-IV Empfänger zu unterstützen, signifikant ab.

Auffällig ist zudem der Anstieg islamfeindlicher Einstellungen von 2009 auf 2010. Zwar ist die Islamfeindlichkeit im politischen Spektrum rechts von der Mitte nach wie vor am stärksten ausgeprägt (wie im Übrigen auch alle anderen Vorurteile), doch lässt sich ein deutlicher Anstieg in der politischen Mitte und links der Mitte beobachten. Offenbar verlieren Normen der Toleranz in jenem Milieu an Bedeutung, wo sie eigentlich verankert schienen, wenn es um Muslime geht.

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