Community Art Center wurde in Mannheims Neckarstadt-West eröffnet

Am Samstag, den 12. Mai 2012, wurde das neue Community Art Center in Mannheim in der Neckarstadt-West durch den Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz und Dr. Pia Gerber eröffnet.

Thema der Eröffnung war „Mütter und Töchter“ im Stadtteil Neckarstadt-West. Dazu hat eine Fotografin 13 unterschiedliche Mütter-Töchter-Paare die in der Neckarstadt-West leben großformatig porträtiert. Einige Kontakte zu den Frauen kamen über die Pädagogische Werkstatt von Ein Quadratkilometer Bildung. Die Texte der Interviews, die die Regisseurin Annette Dorothea Weber begleitend mit den Fotografierten und weiteren Müttern und Töchtern des Stadtteils führte, wurden durch die Stimmen von zwei Schauspielerinnen anonymisiert und auf die Mittelstraße gesendet. Zugleich wurden zentrale Äußerungen der Mütter und Töchter zu ihrem Leben im Stadtteil zu Schriftzügen auf den Schaufensterscheiben, so dass Passanten, zu den Stimmen der Frauen auch visuell von den Äußerungen der Frauen in Bann gezogen werden. Zwei Tänzerinnen tanzten am Eröffnungsabend zu eigens komponierter Musik eines Pianisten ihre Assoziationen zum Thema. Eine Schauspielerin las einen Text der in die USA eingewanderten Schriftstellerin Amy Tan – eine aus China stammende Konzertsängerin sang ein berührendes Kinderlied. Dass Mütter und Töchter mit ihrem Leben, ihren Geschichten, Kämpfen und Freuden im Mittelpunkt standen, war für viele Stadtteilbewohner ungewohnt. Der Oberbürgermeister machte in seiner Rede deutlich, dass er das Community Art Center als Bestandteil der Bewerbung Mannheims um die Kulturhauptstadt 2020 sieht, weil es die städtischen Kernanliegen Inklusion und Diversität verkörpert. Das Community Art Center in Mannheims Neckarstadt-West ist das erste seiner Art in Deutschland.

Über 120 Personen waren gekommen, um den Beginn dieses neuen Kunsttreffpunkts im Stadtteil zu feiern. Die große Resonanz sei ein Mut machender Start erklärte Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz bei der Eröffnung. Das Projekt haben die Freudenberg Stiftung und die Stadt gemeinsam entwickelt, weil die Neckarstadt ein großes Potenzial biete, so Kurz. Es gehe um Gemeinschaft und die Teilhabe an Kunst über professionelle Künstler, die bereit seien, mit den Menschen in der Neckarstadt etwas zu schaffen, was den Stadtteil positiv befruchte. Das sei ganz besonders wichtig in einem Stadtteil, wo auf 1,3 Quadratkilometern 21?000 Menschen wohnten, mit einem Migrantenanteil von über 60 Prozent und einer hohen Fluktuation. „Die Neckarstädter – Alteingesessene, Zugewanderte und Flüchtlinge aus mehr als 150 Nationen – leisten Integration tagtäglich für die gesamte Stadtgesellschaft. Sie verdienen nicht nur die besten Kita, die besten Schulen, gute Jugendarbeit, dass Müllabfuhr und Polizei funktionieren, sondern auch ausgezeichnete Kunst”, sagte Gerber.

Das Kulturamt der Stadt Mannheim und die Freudenberg Stiftung führen ihre langjährige Zusammenarbeit in der Stadtteilkulturarbeit in der Neckarstadt-West fort: Mit dem Projekt „Community Art Center” in Mannheims Stadtteil Neckarstadt-West haben sich die beiden Partner erfolgreich bei der Ausschreibung des Programms „Orte der Integration im Quartier“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) beworben. Der Gemeinderat hat am 20.03.2012 einstimmig entschieden, das Projekt durchzuführen.

„Der Gedanke der Community Art ist nichts Neues, lediglich die Umsetzung ist in Deutschland erstmalig in Mannheim verankert. In den USA wurden bereits in den 1960er Jahren von Künstlern solche Zentren der Kunst gegründet. Man sprach auch von Dialog-Kunst. Künstler setzten sich mit ihrer Kunst in Beziehung zu einem Stadtteil, sie involvierten seine Bewohner und Bewohnerinnen in künstlerische Zusammenhänge. Die Themen und Probleme des Viertels waren Anlass und Inspirationsquelle für diese Dialog-Kunst“, so die Impulsgeberin und künstlerische Leitung Annette Dorothea Weber. „Bei Community Art geht es um professionelle Kunst mit Veränderungsanspruch, die an der Lebensrealität der im Stadtteil Lebenden, Lernenden, Arbeitenden und Zuflucht Suchenden anknüpfen will. Aktivierende Kunst, die Verbindungen schafft zwischen Kunst und Leben, zwischen unterschiedlichen Herkunftskulturen, zwischen Schule und Kunst und nicht zuletzt zwischen den Stadtteilen Mannheims.“ „Das Community Art Center wird Netzwerke im Stadtteil und über den Stadtteil hinaus schaffen. Es hat das Potenzial, die gesamte Stadtgesellschaft einander näher zu bringen“, so Marcela Herrera, Projektkoordinatorin.

Die künstlerische Werkstatt und der Präsentationsraum des Community Art Centers haben in einem leer stehenden Ladengeschäft in der Mittelstraße 17 ihr Zuhause gefunden. Darüber hinaus ist geplant, auch dezentral an verschiedenen Orten im Quartier künstlerische Projekte durchzuführen mittels verschiedener Kooperationen mit Stadtteilakteuren und Bewohnern die bei den Projekten oftmals zu Koproduzierenden werden.