Europäische Stiftungsgruppe besucht Birmingham/UK und lernt Modelle evidenzbasierter Politiksteuerung im Bereich frühkindlicher Bildung kennen

Die Interessensgruppe Kinder und Jugendliche des Europäischen Stiftungszentrums, die von der Freudenberg Stiftung geleitet wird, hat sich zwei Tage lang in Birmingham mit lokal Verantwortlichen aus Gemeinderat, Verwaltung und begleitender Sozialforschungsstelle getroffen. Ziel des Austauschs war ein Einblick in die lokale Bildungssteuerung der 1 Millionen Einwohner starken mittelenglischen Stadt mit überdurchschnittlichem hoher Armutsbelastung und einer Vielfalt kultureller Minderheiten. Toppriorität in Birmingham über die politischen Parteigrenzen hinweg hat die Schaffung von exzellenter Qualität in der frühkindlichen Bildung mit besonderem Augenmerk auf problembelastete Kinder und ihre Familien. Lokale Politik und Verwaltung legen großen Wert auf den empirischen Wirkungsnachweis von Förderansätzen , die langfristig die beste Kosten-Nutzen-Relation versprechen.

Dabei werden nach Birmingham diejenigen Bildungsprogramme aus den USA übertragen, die dort zu hohem Kompetenzzuwachs bei den beteiligten Kindern bzw. ihren Eltern geführt haben. Zu diesen lizensierten Programmen gehören beispielsweise ein Begleitprogramm für Eltern im Teenager-Alter, ein Programm zur Stärkung der Bindungs- und Erziehungsfähigkeit von Eltern oder ein Programm für 4-10-Jährige zur Förderung von emotionaler Kompetenz. Über die Qualifizierung der Professionellen, klare Handlungsleitfäden, Bindung an Qualitätsstandards, Supervision und begleitende Evaluation wird sicher gestellt, dass die Programme auch gut umgesetzt werden können.

Beeindruckend ist die politische Entschiedenheit der Verantwortlichen, Bildungsgerechtigkeit in Birmingham herzustellen und hierfür erhebliche Mittel einzusetzen, weil man sich langfristig hohen Gewinn für den Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft und die lokale Wirtschaft erhofft. Beeindruckend ist ebenso die Entschiedenheit, auf wissenschaftliche Erkenntnisse zu bauen, datengestützt zu steuern und Wissenschaft auch in die kontinuierliche Überprüfung einzubinden.

Dennoch gibt es auch Ernüchterung: über die anstehenden Kürzungen, über Leistungsmängel bei der Umsetzung eines in den USA so erfolgreichen Programms („Path“), über die Veränderungsresistenz der Regelsysteme und über die Abhängigkeit von einzelnen „Feuerseelen“ in Politik und Verwaltung: Werden diese abgewählt oder gehen in Rente, entstehen Lücken im sorgsam entwickelten Bildungsnetzwerk. Herausfordernd ist auch der Qualitätserhalt in der Breite: Bei dem Versuch der flächendeckenden Verbreitung von kleinem Gutem drohen Qualitätseinbußen. Deswegen endet der Besuch mit einem Appell an alle, trotz Rückschlägen immer dran zu bleiben und nicht aufzugeben, um jedem Kind ermutigende Lernwege und allen Heranwachsenden gute Berufswege zu ermöglichen. Dabei könnten in Birmingham künftig auch Ansätze in den Blick geraten, die in anderen europäischen Ländern entwickelt worden sind.

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