Bildungsaufbruch: Gleichberechtigte Teilhabe von Sinti und Roma in Deutschland

Immer wieder belegen Studien für Deutschland eine ablehnende Haltung gegenüber Sinti und Roma etwa in Bildung, Arbeit und Wohnen. Im Jahr 2012 hat sich im Rahmen des Xenos-Programms „Integration und Vielfalt“ das Netzwerk Bildungsaufbruch gegründet mit dem Ziel, Strategien und Konzepte für gleichberechtigte Zugänge zu Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt für Sinti und Roma zu erarbeiten. Im Netzwerk beteiligten sich die RAA Berlin e.V., RomnoKher aus Mannheim und Madhouse aus München. Erfahrene Organisationen, die im Netzwerk ihre Expertise bündelten. Das Besondere: Erstmals konnten Mitglieder der Minderheit der Sinti und Roma selbstbestimmt ihr Wissen einbringen. Aus den Erfahrungen leitete das Netzwerk Handlungsempfehlungen ab, die auf einer Abschlussveranstaltung in Berlin vorgestellt und diskutiert wurden.

Antiziganismus ist ein Problem der „Mehrheitsbevölkerung”
Antiziganismus sei eine zentrale Bildungsbarriere für Sinti und Roma, heißt es in den Handlungsempfehlungen. Die Thematisierung des Genozids an den europäischen Sinti und Roma müsse zum Bildungsstandard werden. Die Verfolgung und Ermordung habe teils zu einer familiären Traumatisierung geführt, erklärt Dr. Jane Schuch in ihrem Vortrag. Kinder seien während des Nationalsozialismus aus den Klassenzimmern verschleppt worden und nicht zurückgekehrt. Die Traumatisierung und der in allen gesellschaftlichen Bereichen vorhandene Antiziganismus trage auch heute noch dazu bei, dass Schule als unsicherer Ort empfunden werde. Hieran zeige sich: Handlungsansätze für eine bessere gesellschaftliche Teilhabe von Sinti und Roma müssen auf die Öffnung der sogenannten Mehrheit fokussieren. Zudem gelte es zu berücksichtigen, dass Antiziganismus nicht für sich allein stehe, sondern mit anderen Diskriminierungsformen verschränkt sei.

De-Ethnisierung von Bildungsbenachteiligung
Im Bildungsbereich müssen Handlungsansätze auf De-Ethnisierung ausgerichtet sein. Aber auch die Rassismuserfahrungen der Schülerinnen und Schüler gelte es zu berücksichtigen, wie Prof. Dr. Maisha-Eggers in ihrem Input betont. Handlungsansätze sollten sich an den spezifischen Begebenheiten vor Ort und heterogenen Lebenswelten hinsichtlich spezifischer Migrationsgeschichten, Sprachen, dem rechtlichen und sozioökonomischen Status orientieren, empfiehlt das Netzwerk.

Das Projekt wurde durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie durch den Europäischen Sozialfonds gefördert und durch die Freudenberg Stiftung als Partnerin unterstützt.

Alle Informationen zum Projekt und Handlungsempfehlungen in der Broschüre Bildungsaufbruch