Internationale Konferenz zu Medien und Minderheiten

Das Wissen über Minderheiten und Migration beziehen viele Angehörige der Mehrheitsbevölkerung meist aus Zeitungen, Fernsehen, Rundfunk oder dem Internet. Aber welche Bilder von ethnischen und religiösen Minderheiten vermitteln die Medien? Wie wirkt das in den Medien vermittelte Bild?

Zum zweiten Mal veranstaltete der Rat für Migration (RfM) in Kooperation mit der Akademie des Jüdischen Museums Berlin eine Konferenz zum Thema Einwanderungsgesellschaft Deutschland. Im Rahmen der Konferenz wurden aktuelle Ergebnisse empirischer Studien zum Themenfeld Medien und Minderheiten in internationaler Perspektive vorgestellt und diskutiert.

Fehlende Themenvielfalt
Der Blick nach Kanada und Großbritannien zeigt: Mehr Diversität in den Redaktionen, vor und hinter der Kamera führt nicht automatisch zu vielfältigen Perspektiven in der Berichterstattung. Stereotype Bilder würden nach wie vor reproduziert, wie Dr. Anamik Saha von der University of London, erklärt. Themen zu platzieren, die den „Mainstream“ nicht treffen und damit eventuell nicht die gewünschten Einschaltquoten bringen, sei in den Leitmedien oft schwer. Ethnomedien seien auch deshalb zu eigenen Mainstream-Medien geworden, so Professor Fleras von der University of Waterloo in Kanada. In Deutschland sind Projekte wie Migazin, ein Fachmagazin für Migration und Integration aus diesem Grund entstanden; oder auch die Twitter-Initiative #Schauhin, mit der junge Menschen in Deutschland auf Alltagsrassismus aufmerksam machen und nach wie vor großen Zuspruch erhalten, so die Initiatoren. Nötig seien Medienbeiträge, die genutzt werden können, um Brücken zwischen gesellschaftlichen Gruppen zu schlagen, so Fleras.

Ich schreibe, was ich sehe?!
Medien haben den Anspruch, Realität abzubilden. Doch wie werden Informationen geordnet und gedruckt oder gesprochen? Das hängt auch von den Erfahrungen und der Sozialisation der/des Journalistin/Journalisten und von denen ab, die über die Veröffentlichung von Beiträgen entscheiden. Das gelte nicht nur für „Elite-Journalisten“ als Entscheidungsträger in etablierten Medien, sondern auch für die „neuen“ Medien und soziale Netzwerke. So seien auch Facebook, Twitter & Co maßgeblich männlich und weiß, wie Professor Lehrman von der Santa Clara University, erklärt. Verschiedene Initiativen und Forschungsvorhaben versuchen Journalisten und Medienmacher zu einem reflektierten Umgang zu sensibilisieren, um zu verstehen, dass der Blick auf die „Realität“ kein ungeprägter ist.

Ethnische Minderheiten als Opfer oder Täter
Am Beispiel der Fälle von Trayvon Martin und Michael Brown aus den USA schildert Dr. Charlton Mcllwain, New York University, den medialen Umgang mit schwarzen Menschen. Hier hat er zwei Herangehensweisen festgestellt: So war es entweder zentral für die Berichterstattung, dass die Opfer schwarz waren. Das Geschehene wurde dann als „racial in nature“ verstanden. Oder aber die Ethnie wurde ausgeblendet und die Vorkommnisse als individuelle Fälle betrachtet. Beide Ansätze ließen die strukturelle Diskriminierung schwarzer Menschen in den USA außer Acht. Die Berichte fragten nicht nach den tiefer liegenden Ursachen. Schwarze würden in den Medien entweder als Opfer oder Täter dargestellt. Hier lassen sich Parallelen zur Berichterstattung über „die Roma“ in Deutschland feststellen. Dr. Peter Wildmann erklärt: etablierte Roma kommen in der Berichterstattung nicht vor. Sie sind Opfer oder Täter. Geschichten über sogenannte Roma-Häuser und Sprüche wie „Wer betrügt der fliegt“ vermitteln ein sich festsetzendes Bild. Solchen Bildern will der Rat für Migration mit seinem Projekt Mediendienst Integration entgegen wirken. Der Mediendienst ist eine Informationsplattform für Medienschaffende zu den Themen Integration, Flucht, Asyl und Migration. Er liefert Zahlen und Fakten, er vermittelt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Interviewpartner und nimmt mit eigenen Berichten Themen auf, die in den Leitmedien zu kurz kommen.

Der Rat für Migration ist ein bundesweiter Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen. Seit seiner Gründung setzt er sich mit seinen Publikationen, Auftritten in der Öffentlichkeit und Stellungnahmen in den Medien für eine differenzierte, demokratische und weitsichtige politische Gestaltung von Migration und Integration ein. Die Freudenberg Stiftung unterstützt den Rat für Migration.

Fotos: Nilgün Akıncı