Internationale Konferenz: "Postmigrantische Gesellschaft?!"

Deutschland ist ein Einwanderungsland. Seit den beginnenden 2000er Jahren ist eine politische Anerkennung von Einwanderung bzw. Migration zunehmend erkennbar. Migration ist zu einem Teil der gesellschaftlichen Selbstbeschreibung geworden. Doch was heißt es, ein Einwanderungsland zu sein? Wie wird Vielfalt zu einem stabilen Teil der Demokratie? Wo und wie müssen wir den gesellschaftlichen Wandel aktiv gestalten?

Der Rat für Migration (RfM) und die Akademie des Jüdischen Museums Berlin gaben auf der internatio-nalen Konferenz “Postmigrantische Gesellschaft?! Kontroversen zu Rassismus, Minderheiten und Pluralisierung“ ein Forum für wissenschaftlichen Austausch zu diesen Fragen.

“Postmigrantisch” steht nicht für beendete Migration

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Forschungsdisziplinen wie Soziologie, Geographie, Ethnologie, Rechts- und Politikwissenschaft diskutierten kontrovers über den Begriff “postmigrantisch”. Ist nicht allein das Präfix “post” irreführend? Professorin Naika Foroutan vom Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung und RfM-Vorstandsmitglied arbeitet schon lange mit dem Konzept. “Postmigrantisch” stehe nicht für einen Prozess der beendeten Migration, sondern sei vielmehr eine Analyseperspektive, die sich mit den Konflikten, Identitätsprozessen, mit dem sozialen und politischen Wandel auseinandersetzt, nachdem Migration erfolgt ist. Es gehe darum, die jahrelange Fixierung auf “die” Migranten zu beenden und die Verantwortung der gesamten Gesellschaft für den Wandel in den Fokus zu rücken.

Mehrfachdiskriminierung thematisieren

Professorin Juliane Karakayali, die zu Migration, Rassismus und sozialer Ungleichheit an der Evangelischen Hochschule Berlin forscht, betonte: “Mit dem Postmigrantischen wird nicht nur Mehrfachzugehörigkeit thematisiert, sondern auch immer die Tatsache der Mehrfachdiskriminierung”. Eine postmigrantische Perspektive muss eine Analyse des Rassismus in der Gesellschaft mit betrachten.

Migration ist in Politik und Medien allgegenwärtig: Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerk zufolge sind derzeit rund 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Wie wichtig es ist, zu Begriffen, Konzepten und Strategien kritisch nach vorne zu denken, darüber waren sich die Teilnehmenden einig.

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Der Rat für Migration ist ein bundesweiter Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen, die sich für eine differenzierte, demokratische und politische weitsichtige Gestaltung von Migration und Integration einsetzen. Die Freudenberg Stiftung unterstützt den RfM seit seinen Anfängen.