14.09.2016

SVR Regionalgespräch: Chancen und Herausforderungen religiöser Vielfalt im Bildungssystem

Prof. Uslucan stellt die Ergebnisse des SVR-Jahresgutachtens 2016 vor. (Foto: Robert Bosch Stiftung) Prof. Uslucan stellt die Ergebnisse des SVR-Jahresgutachtens 2016 vor. (Foto: Robert Bosch Stiftung)

Ob Kinder eigene Migrationserfahrung haben oder ob sie in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, alle bringen unterschiedliche Lebenserfahrungen mit in die Schule. Schulischer Alltag ist durch zunehmende kulturelle, sprachliche und religiöse Vielfalt geprägt. In der öffentlichen Debatte werden immer wieder auch die Spannungsfelder im Zusammenhang mit zunehmender Vielfalt in der Schule diskutiert.

Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration SVR hat in seinem diesjährigen Jahresgutachten “Viele Götter, ein Staat: Religiöse Vielfalt und Teilhabe im Einwanderungsland” diese Spannungsfelder untersucht.

Die Freudenberg Stiftung und die Robert Bosch Stiftung luden Vertreter*innen aus Politik und Religionsgemeinschaften zu einem regionalen Fachgespräch ein, um in Stuttgart die Ergebnisse des Jahresgutachtens 2016 mit Blick auf das Bildungssystem zu diskutieren: Wie entwickeln Kinder und Jugendliche Ambiguitätstoleranz? Wie sieht eine Schule aus, in der alle ohne Angst – auch religiös – verschieden sein können?

Deutschland wird säkularer und multireligiös

In seinem Jahresgutachten stellt der SVR fest: Deutschland wird säkularer und zugleich multireligiös. Diese gegenläufigen Trends erklärte Professor Haci Halil Uslucan, stellvertretender Vorsitzender des SVR: Religion verliere in modernen Gesellschaften zunehmend an Bedeutung, der Anteil konfessionell gebundener Gläubiger sinke insgesamt. Zwar gehen Bindungen an institutionelle Religionen zurück, subjektive oder individuelle Religiosität sei jedoch unverändert wichtig. Auch aufgrund von Einwanderung werde Religion vielfältiger.

Diese religiöse Pluralisierung stellt eine Herausforderung für das Bildungssystem dar, der begegnet werden muss, beispielsweise mit der Einführung eines Islamischen Religionsunterrichts (IRU) an Schulen. Laut SVR-Jahresgutachten gibt es für einen bekenntnisgebundenen IRU ein Potenzial von 650.000 Schüler*innen bundesweit. In der Etablierung eines IRU sieht der SVR viele Vorteile: Wer sich intellektuell mit der eigenen Religion auseinandersetzt, kann das Spannungsverhältnis zwischen religiöser Tradition und modernem Staatsverständnis besser reflektieren. IRU fördere die kritische Auseinandersetzung mit der Religion und trage damit auch zur Extremismusprävention bei.

Raum für Begegnung und Dialog

In der Diskussion wurde deutlich: Neben der Auseinandersetzung mit der eigenen Religion ist ein Raum nötig, in dem sich Kinder und Jugendliche in ihren unterschiedlichen Lebensformen und Erfahrungen begegnen können. Hierzu braucht es leistungsfähige pädagogische Konzepte. Gerade hinsichtlich der Spannungsfelder etwa bei der Kollision zwischen aus Religionsfreiheit abgeleiteten Rechten und anderen grundrechtlich geschützten Normen ist ein solcher Raum besonders wichtig.

Die Freudenberg Stiftung unterstützt den SVR, da er eine Lücke mit Blick auf eine wissenschaftlich fundierte, politisch neutrale, auf Objektivität beruhende und multiperspektivische Urteilsbildung in den Bereichen Integration und Migration schließt.