04.11.2016

Eröffnung von livingROOMS – Lebensformen in der Neckarstadt-West

livingROOMS macht Lebensformen der Neckarstadt-West begeh-, hör- und sichtbar. (Foto: CaCm) livingROOMS macht Lebensformen der Neckarstadt-West begeh-, hör- und sichtbar. (Foto: CaCm)

Die Ausstellung und Installation livingROOMS gibt Einblicke in die vielfältigen Lebensformen der Neckarstadt-West. Gewidmet ist die Ausstellung den Bewohner*innen des Stadtteils, ihren Erinnerungen, Hoffnungen und Visionen. Die großformatigen Bilder sowie die akustische Rauminstallation wurden im Rahmen des OFF//FOTO FESTIVALS vom 4. bis 7. November 2016 erstmals in den Räumen des COMMUNITYartCENTERmannheim (CaCm) gezeigt. Während der Lichtmeile vom 11. bis 13. November 2016 ist die Installation zudem bei einem Wohnzimmer-Konzert begeh-, hör- und sichtbar (Teaser anhören).

Die künstlerische Leitung des CaCm bezieht sich mit ihrer Idee zu livingROOMS auf Herlinde Koelbl und ihre fotografische Erforschung des “deutschen Wohnzimmers” vor fünfzig Jahren als ein Stück inszenierter Fotografie, das die Verbindung von Theater, Fotografie und Leben widerspiegelt. Diese deutschen Wohnzimmer der 1960er und 1970er Jahre zeigten auch einen Lebensstil, bzw. gesellschaftliche Gepflogenheiten der Zeit. Fast zeitgleich hat der Fotograf Christian Borchert aus der DDR “Familien” auf ähnliche Weise fotografiert. Beide haben Annette Dorothea Weber und ihr Ensemble inspiriert zu untersuchen, wie Menschen heute das Zusammenleben in ihren Wohnzimmern gestalten, insbesondere wie Wohnzimmer in der Mannheimer Neckarstadt-West aussehen und wie sich Vorstellungen von gutem Leben ihrer Bewohner*innen anhören.

Annette Dorothea Weber, künstlerische Leiterin des CaCm, führt in die Ausstellung ein. (Foto: CaCm) Annette Dorothea Weber, künstlerische Leiterin des CaCm, führt in die Ausstellung ein. (Foto: CaCm)

Die Fotografin Nina Ruth Urban entschied sich – wie bei beiden Vorgängerarbeiten im CaCm “Mütter und Töchter” 2012 sowie “Väter und Söhne” 2014 – für die Analogfotografie und das quadratische Großformat, das die Hasselblad-Kamera bietet. Die Art und Weise des Fotografierens verlangt hier auch den Modellen eine Ruhe und Konzentration ab, die in Zeiten der Digitalfotografie nicht mehr üblich ist. Dadurch und durch die Interviewsituation in den Wohnzimmern der beteiligten Neckarstädter*innen ist eine gewisse Intimität entstanden, die nicht nur in den Fotos, sondern auch durch die akustische Bearbeitung der Gespräche von Mike Rausch zum Ausdruck kommt. Ein weiteres Spezifikum dieser Arbeit ist, dass livingROOMS als Ensembleprojekt entstanden ist. Das Ensemble versteht sein Projekt auch als Bejahung von Einzigartigkeit und Vielfalt durch die “Gleichzeitigkeiten von Bezügen, die uns gehören und in die wir gehören, dieses Miteinander und Durcheinander aus Religionen, Herkünften, Praktiken und Gewohnheiten, Körperlichkeiten und Sexualitäten” und bezog sich dabei auf die Dankesrede von Carolin Emcke zur Verleihung des Friedenpreises des Deutschen Buchhandels.

Antje Geiter von der Heinrich-Vetter-Stiftung würdigte in ihrem sehr wertschätzenden Grußwort die Arbeit des COMMUNITYartCENTERmannheim und hob besonders hervor, wie wichtig es heutzutage sei, Abwertung von Menschen zu vermeiden, Zusammenhalt auch mit künstlerischen Mitteln gerade in einem sehr herausgeforderten Stadtteil wie der Neckarstadt-West zu fördern und dafür Sorge zu tragen, dass sich niemals wieder ein Unrechtssystem etabliert. Dafür trage auch die Heinrich-Vetter-Stiftung ihren Teil der Verantwortung. Sie sicherte für das kommende Jahr die erneute Förderung zu. Die Heinrich-Vetter-Stiftung hat das CaCm mit der Freudenberg Stiftung, der Stadt Mannheim und der BT Spickschen Stiftung von Anfang an mit unterstützt.

Idee + Konzept: Annette Dorothea Weber
Fotos: Nina Ruth Urban
Akustische Installation: Mike Rausch, Annette Dorothea Weber, Anne-Marie Geisthardt
Raum: Jessica Uhrig, Karolina Dashty

Weitere Informationen HIER.