07.11.2016

Konferenz: Verantwortungsgemeinschaft für Bildung

“Verantwortungsgemeinschaft für Bildung: Land, Kommunen, Stiftungen” – lautete der Titel einer Tagung zu der die Stadt Hoyerswerda gemeinsam mit der Freudenberg Stiftung unter Beteiligung des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus ins Schloss Hoyerswerda eingeladen hatte. Rund 90 Vertreter*innen aus Landes- und Kommunalpolitik, aus Praxis, Verwaltungen und Stiftungen blickten zurück auf 25 Jahre Zusammenarbeit und diskutierten über aktuelle und künftige Herausforderungen sowie Möglichkeiten des Transfers.

Bereits seit Anfang der 1990er Jahre engagiert sich die Freudenberg Stiftung in Sachsen. So fördert sie die Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Demokratie und Lebensperspektiven e.V. in Hoyerswerda (RAA Hoyerswerda/Ostsachsen), die Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie Sachsen e.V. (RAA Sachsen), Ein Quadratkilometer Bildung gemeinsam mit der Lindenstiftung für vorschulische Erziehung in Hoyerswerda und Bernsdorf.

25 Jahre Zusammenarbeit – Anlass, Geschichte, Bedeutung

Thomas Delling, Bürgermeister von Hoyerswerda erinnert an den Anfang der Verantwortungsgemeinschaft. (Foto: Stadt Hoyerswerda) Thomas Delling, Bürgermeister von Hoyerswerda erinnert an den Anfang der Verantwortungsgemeinschaft. (Foto: Stadt Hoyerswerda)

In seiner Eröffnungsrede erinnerte Thomas Delling, Bürgermeister von Hoyerswerda, an den Ursprung der Verantwortungsgemeinschaft von Kommune, Land und Stiftungen: Nach den schockierenden ausländerfeindlichen Übergriffen von 1991 standen viele Fragen im Raum. Bildung bekam auf der Suche nach Antworten einen besonderen Stellenwert. Die in den folgenden Jahrzehnten entwickelte Bildungslandschaft Hoyerswerda setzt seither Rückwärtsgewandtheit und Fremdenfeindlichkeit Perspektiven entgegen. Die Verantwortungsgemeinschaft tritt ein für Bildung, die demokratische Verhaltensweisen vermittelt.

Auch Heribert Mörsberger, Vorstand der Lindenstiftung für vorschulische Erziehung, die sich gemeinsam mit der Freudenberg Stiftung in Ein Quadratkilometer Bildung Hoyerswerda und Bernsdorf engagiert, hob den Wert ganzheitlicher Bildung hervor: “Bildung ist mehr als Schule”. Mit Innovationsstrukturen wie der Pädagogischen Werkstatt in Ein Quadratkilometer Bildung gelinge es, das umliegende Gemeinwesen zu aktivieren. Denn das Programm vernetzt Bildungsakteure im umliegenden Sozialraum.

Bildung “vor Ort” und “in der Fläche” – Herausforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft

Die sächsische Staatsministerin für Kultus, Brunhild Kurth, betonte in ihrer Rede die Vorreiterrolle der Freudenberg Stiftung und ihr “frühes, anhaltendes und verlässliches Engagement für Bildung und Demokratie vor Ort”. Bildung und erfolgreiche Bildungsbiografien seien durch die erfolgreiche Zusammenarbeit ins Zentrum kommunaler Politik und lokalen Handelns gerückt.

Bildung sei Gemeinschaftsaufgabe des Staats, der Landkreise und Gemeinden und natürlich der Bürgergesellschaft. “Ich bin froh, dass es die Freudenberg Stiftung mit ihrem sehr gezielten Engagement gibt und hoffe auch in Zukunft auf eine enge Zusammenarbeit. Dabei sind wir gern ein mitlernender und unterstützender Partner.”

Sächsische Staatsministerin für Kultus, Brundhild Kurth. (Foto: Stadt Hoyerswerda) Sächsische Staatsministerin für Kultus, Brundhild Kurth. (Foto: Stadt Hoyerswerda)

Hoyerswerda habe sich zum “Knotenpunkt eines den gesamten Landkreis Bautzen umspannenden Netzes von Bildungsaktivitäten” entwickelt. Die Stadt sei ein Beispiel dafür, wie sich eine mittelzentrale Stadt in der Fläche bildungsaktiv profilieren kann. Damit gehe es nicht nur um Schule, stellte die Ministerin klar, und dankt der Stadtgesellschaft von Hoyerswerda, die heute mit den Geflüchteten in eindrucksvoll positiver Weise umgehe.

Welche spezifische Funktion hat langfristiges Handeln von Stiftungen in Veränderungsprozessen einer Kommune? Stiftungen stecken, so Sascha Wenzel, Geschäftsführer der Freudenberg Stiftung, in einem gewissen Dilemma: “Wir verfügen zwar über Ressourcen, die wir frei für konzentrierte Einzellösungen einsetzen können, um etwa in die Tiefe eines Problems vorzustoßen. Sind diese Ressourcen aber erst einmal gebunden, verringern sich weitere Handlungsspielräume und damit die Möglichkeiten, neuen Ideen nachgehen zu können. Als demokratisch nicht legitimierte Organisation handeln wir im wahrsten Sinne des Wortes auf eigene Rechnung. Selbst dann, wenn wir gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, erreichen wir nicht die Breite, die für angemessene Problemlösungen etwa im Feld öffentlicher Daseinsvorsorge vonnöten sind.”

Aus diesem Grund sei es so wichtig, dass die Stiftung sich mit der Kommune und dem Land in einer Verantwortungsgemeinschaft befinde, in der alle bereit seien, regelmäßig nachzujustieren, Konzepte neuen Situationen anzupassen und in der die Stiftung mit Respekt vor den Mandaten und Aufgaben ihrer staatlichen Partner*innen davon ausgehen kann, dass “der Transfer und die Verstetigung unserer gemeinsamen Impulse in Ihren guten Händen liegen.”

Fotos: Stadt Hoyerswerda