02.06.2017

Expertengespräch zu Verschwörungsideologien im CaCm

Regisseurin, Annette Dorothea Weber im Gespräch mit Jan Rathje. (Foto: CaCm) Regisseurin, Annette Dorothea Weber im Gespräch mit Jan Rathje. (Foto: CaCm)

In seiner neusten Theaterproduktion “RECHTS: ex und pop oder Eine Proklamation für die Demokratie” fragt das COMMUNITYartCENTERmannheim (CaCm): Wo und warum docken Ideen, die zur Einschränkung oder Abschaffung demokratischer Grundwerte führen, bei Menschen an? Wer steckt hinter den “Rechten” Ideen – welche Menschen, welche Biografien, welche Netzwerke und wie agieren diese?

Will man diese Fragen beantworten, spielen Verschwörungs-ideologien eine besondere Rolle. Im Gespräch mit Jan Rathje, Experte für Verschwörungsideologien der Amadeu Antonio Stiftung, ging die künstlerische Leiterin des CaCm und Regisseurin des neuen Theaterstücks, Annette Dorothea Weber, den Funktionen und Gefahren von Verschwörungsideologien nach.

Warum eigentlich Verschwörungs- ideologien und nicht Verschwörungstheorien? Auf Webers erste Frage erklärt Jan Rathje, dass “Verschwörungstheorien” aus wissenschaftlicher Perspektive nicht die Ansprüche an eine Theorie erfüllen. Denn eine Theorie kann nur solange Gültigkeit beanspruchen, bis ihre Grundannahmen als falsch bewiesen worden sind. Anhänger*innen von “Verschwörungstheorien” aber blenden Beweise aus, die gegen ihre Überzeugungen sprechen, oder behaupten, es handle sich dabei um Falschinformationen. Die Idee von einer Verschwörung hat sich bei ihnen zu einer Verschwörungsideologie verfestigt, die sie für Widersprüche und Gegenbeweise unzugänglich macht.

Verschwörungsideologien geben auf komplexe Fragen einfache Antworten, konstruieren einfache Weltbilder und Rollen. Auf der einen Seite die “bösen Verschwörer*innen”, auf der anderen Seite die “Guten”, die sie bekämpfen. Eine Gruppe wird für das ganze Leid verantwortlich gemacht. Oft handelt es sich um alte Feindbilder und Erzählungen, die immer antisemitischen Hintergrund haben, wenn es um die große Weltverschwörung geht. Die konkrete Benennung von Schuldigen in Verschwörungsideologien ist eine wesentliche Gefahr für die Gesellschaft. Agitator*innen nutzen Verschwörungsideologien, um Menschen aufzuhetzen und Taten gegen die vermeintlichen Verschwörer*innen zu rechtfertigen.

Ein wesentliches Element von Verschwörungsideologien ist deren identitätsbildende Funktion. Sie bieten ihren Anhänger*innen neben dem negativen Feindbild ein positives Selbstbild. Sie fühlen sich zugehörig zu der “guten” Seite und können sich nun ihr Unwohlsein erklären, mit dem sie sich bisher alleine gefühlt haben.

Was können wir tun, wenn wir bemerken, dass jemand aus unserem Umfeld einer Verschwörungsideologie anhängt? So eine Frage aus dem Publikum. Darauf gibt es keine pauschale Antwort, erklärt Jan Rathje. Beginnt jemand, sich mit einer Verschwörungserzählung zu beschäftigen und ist das Weltbild noch nicht geschlossen, ist es wichtig, in Kontakt zu bleiben. Gemeinsam darüber nachzudenken, ob nicht auch andere Ursachen als die der Verschwörungserzählung möglich wären und auf menschenfeindliche Inhalte hinzuweisen, könne helfen. Weitere Tipps gibt die Broschüre “No world Order” der Amadeu Antonio Stiftung HIER.

Nach dem Expertengespräch wurde der Film “Die Mondverschwörung” von Thomas Frickel gezeigt. Darin beginnt Journalist Dennis Mascarenas seine Reise am Ufer der Esoterik und wird im Verlauf seiner Recherchen zur Bedeutung des Mondes immer weiter in die verschwörungsideologischen Fahrwasser des Rechtsextremismus hineingezogen.

Mit dem Theaterstück “RECHTS: ex und pop oder Eine Proklamation für die Demokratie” möchte das CaCm für demokratiegefährdende Bewegungen sensibilisieren und will mobilisieren, einzutreten für die Erhaltung und Weiterentwicklung der offenen Gesellschaft. Die Produktion des Stücks wird durch verschiedene Begleitveranstaltungen flankiert. Alle Aufführungstermine und weitere Informationen zu den Begleitveranstaltungen HIER.

Die Freudenberg Stiftung unterstützt das CaCm gemeinsam mit der BT Spickschen Stiftung seit seiner Gründung 2012.