28.04.2017

MDI-Pressegespräch: Immer mehr Journalist*innen mit Hate Speech konfrontiert

Praxis und Wissenschaft schilderten im MDI Pressegespräch Erfahrungen und Erkenntnisse zu Hate Speech. (Foto: Freudenberg Stiftung) Praxis und Wissenschaft schilderten im MDI Pressegespräch Erfahrungen und Erkenntnisse zu Hate Speech. (Foto: Freudenberg Stiftung)

Zunehmend sehen sich Journalist*innen mit verbalen und körperlichen Angriffen konfrontiert. Besonders dann, wenn sie zu Migration, Flucht oder Vielfalt berichten. Das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld hat hierzu unter Leitung von Prof. Dr. Andreas Zick eine Untersuchung durchgeführt, die zeigt: Von rund 780 befragten Journalistinnen und Journalisten sind zwei Drittel der Meinung, dass hasserfüllte Reaktionen in den vergangenen 12 Monaten allgemein deutlich zugenommen haben. Die Studie wurde vom Mediendienst Integration (MDI) und der Freudenberg Stiftung initiiert und finanziert.

Der Mediendienst Integration lud Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis ein, um mit Journalist*innen über den Umgang mit Hate Speech zu diskutieren.

Hasskommentare haben reale Konsequenzen, einerseits auf das Private wie es sich – so Prof. Dr. Andreas Zick – auch in den Studienergebnissen zeige und andererseits auf den beruflichen Alltag. Ein Drittel der Befragten nehmen ihre Erlebnisse bewusst mit nach Hause.

Laut Anna-Mareike Krause, Leiterin der Social Media-Redaktion der “Tagesschau”, müssen sie täglich rund 12.000 Kommentare auf ihren Online-Angeboten lesen, auf Hate Speech gegenchecken und moderieren. Die Redaktion beziehe klar Stellung: Feindlichkeit gegenüber Minderheiten wird in der Community nicht geduldet. Die Hater sind eine laute Minderheit. Die Mehrheit der User*innen aber will sich informieren und differenziert diskutieren. Die Redaktion fokussiert daher bewusst nicht auf die Lauten, sondern auf die stillen Mitleser*innen, die “auf der Kippe” stehen.

Gerade deswegen sei es der Redaktion ein Anliegen, Falschmeldungen rasch zu korrigieren und Diskussionspunkte aus den Kommentarspalten weiter zu verarbeiten, indem sie z.B. ein Erklärstück zum Unterschied zwischen Terror und Amok machen.

Hass-Kommentare nicht unkommentiert zu lassen, dafür setzte sich auch Dana Buchzik von den “Neuen Deutschen Medienmachern” und der “No Hate Speech-Kampagne Deutschland” ein. Eine Methode, auf die Kommentare zu reagieren, sei produktive Gegenrede. Die Erfahrung aus der Praxis zeigt: Überwinden sich User*innen Hass in Kommentarspalten etwas entgegenzusetzen, nimmt das oft das Tempo aus der Diskussion und: andere, die bisher nur mitgelesen haben, trauen sich aus der Deckung.

Bericht zum Pressegespräch des Mediendienst Integration HIER.