22.04.2018

Framework I – Neumarkt Neu: Finissage der partizipativen Installation

Der Neumarkt ist der zentrale Quartiersplatz der Neckarstadt-West in Mannheim – ein „öffentlicher“ Platz. Bedeutet dies auch, dass er so gestaltet ist, wie die Menschen, die sich dort aufhalten, es sich wünschen würden oder sind die Nutzungsmöglichkeiten und –formen vielmehr von außen auferlegt und durch Planung beschränkt?

Diese Frage stellte das Künstlerduo extt.xett, Volker Langenfelder und Flo Huth, in seiner partizipativen Rauminstallation des Neumarkts, die im COMMUNITYartCENTERmannheim (CaCm) vom 16. März bis 22. April zu besichtigen und mitzugestalten war. Die Finissage fand im Rahmen des Kulturfestivals „Von Elf bis Elf“ der Initiative „Kultur am Alten Messplatz“ statt. Mit seinen Kunstprojekten zur Förderung von Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt ist die Frage des Umgangs mit urbanem Raum und den darin eingebetteten sozialen Machtprozessen, die am deutlichsten in Gentrifizierungsdynamiken zum Ausdruck kommen, ein zentrales künstlerischen Thema für das CaCm.

Impressionen der partizipativen Neugestaltung des Mannheimer Neumarkts (Foto: CaCm) Impressionen der partizipativen Neugestaltung des Mannheimer Neumarkts (Foto: CaCm)

Die Installation bestand zu Beginn aus nicht mehr als aus einem kargen Stück „Rasen“ und spiegelte damit den Eindruck wider, den der Platz als kalt-steril wirkender, dysfunktionaler Ort auf die Künstler bei ihrer vorangehenden „Nutzungsspurenanalyse“ auf sie hinterlassen hatte. Dies sollte jedoch Ausgangspunkt für die Bewohner*innen der Neckarstadt sein, sich selbst kreativ des Platzes zu bemächtigen und ihn nach ihren Bedürfnissen und ihren Interessen umzugestalten. Dafür wurde ihnen Farben, Leinwände und verschiedene weitere Materialen zur Verfügung gestellt. Auch die Geräuschkulisse mit originalen Sound-Impressionen konnte neu gemischt und aufgenommen werden: Ein vormals unterwerfendes Design sollte sich in ein entwerfendes verwandeln. In diesem Selbstermächtigungsprozess waren die Menschen aber aufgefordert, ihre Veränderungen aufeinander abzustimmen anstatt achtlos durchzusetzen und miteinander in ein „Machtspiel mit Dialog“ zu treten. Zu Tage kamen ganz verschiedene Wünsche: etwa nach mehr Wasser, mehr Gemeinsamkeit, mehr Grün auf dem Platz.

"Etwas anders ist immer möglich": Ein künstlerischer Appell zur urbanen Partizipation (Foto: CaCm) "Etwas anders ist immer möglich": Ein künstlerischer Appell zur urbanen Partizipation (Foto: CaCm)

Gerahmt wurde die Finissage durch einen Vortrag des Architekten- und Künstler-Duos Illig&Illig mit dem Thema „Assoziationen über den öffentlichen Raum und seine Gestaltungselemente“. Anhand von Beispielen, Fotos, Zitaten und Anekdoten aus den unterschiedlichsten Orten und Zeiten betrachteten sie „öffentliche Räume“ aus ganz verschiedenen Perspektiven und boten Denkanstöße und Reflexionsangebote zu ihren Nutzungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Sie zeigten, wie öffentlicher Raum strukturiert, kommerzialisiert und privatisiert wird, zur Gefahrenzone erklärt, zur Bühne, zum Wohnzimmer oder zum Niemandsland gemacht wird. „Stadtluft macht frei“: Mit diesem mittelalterlichen Rechtsgrundsatz appellierten sie an das Publikum, den öffentlichen Raum stärker wahrzunehmen, ihn mitzugestalten, sich in politischen Beteiligungsprozessen einzubringen, denn: „Etwas anders ist immer möglich“.

Zusammen mit der Stadt Mannheim, der Heinrich-Vetter-Stiftung, der BT Spickschen Stiftung und den Open Society Foundations unterstützt die Freudenberg Stiftung das COMMUNITYartCENTERmannheim seit seiner Gründung im Jahr 2012.