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15 Juli

Ausbildungsnot durch Corona: Kommunale Koordinierung ist gefragt

Die Corona-Pandemie wird sich 2020 und in den Folgejahren in eine Ausbildungskrise verwandeln, befürchtet die Weinheimer Initiative. Hierzu führte sie am 13. Juli 2020 eine Videokonferenz zum Thema "Mehr als nur Nothilfe? Lokale Handlungsansätze"
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15/07/2020

Ausbildungsnot durch Corona: Kommunale Koordinierung ist gefragt

Die Corona-Pandemie wird sich 2020 und in den Folgejahren in eine Ausbildungskrise verwandeln, befürchtet die Weinheimer Initiative. Hierzu führte sie am 13. Juli 2020 eine Videokonferenz zum Thema "Mehr als nur Nothilfe? Lokale Handlungsansätze" durch, um lokale Perspektiven auf die drohende Ausbildungsnot und mögliche Handlungsansätze sichtbar zu machen.
Deutlich in den Ausführungen der unterschiedlichen kommunalen Akteur*innen wurde, dass bisweilen lediglich ein leichter Rückgang betrieblicher Ausbildungsplätze festzustellen ist. Dieser Trend, so waren sich alle Teilnehmenden einig, werde sich insbesondere in den kommenden Jahren aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung und betrieblicher Insolvenzen verschärfen und zu einer prekären Situation auf dem Ausbildungsmarkt führen.

Gleichzeitig verursacht das derzeit erforderliche Distance-Learning erhebliche Lernrückstände, die sich auf die fachliche Qualifikation möglicher Ausbildungs-Anwärter*innen auswirken. Insbesondere sind hierbei Jugendliche bedroht, die ohnehin von sozialer Benachteiligung betroffen sind. In den einzelnen Kommunen ist zu beobachten, dass ein Digital Divide hinsichtlich digitaler Lernangebote zuungunsten der Risikogruppe besteht, der sich negativ auf die Bewältigung der derzeitigen Entwicklungsaufgaben auswirkt. Neben der Ausstattung mit erforderlichen Geräten ist das soziale Umfeld und die Wohnsituation entscheidend, digitale Lernumgebungen zielgerichtet nutzen zu können. Erschwerend kommt hinzu, dass sozialpädagogische Unterstützung aufgrund der Beschränkungen nicht im notwendigen Umfang in Anspruch genommen werden kann.

Kommunale Koordinierung gewinnt an Bedeutung

Gerade in dieser Situation gewinnt die Kommunale Koordinierung an Bedeutung. Kommunale Bildungskoordinierung und Lokale Verantwortungsgemeinschaft sind erprobte Praxis, welche für die Bewältigung der Risikosituation genutzt werden können. Denn die neue Ausbildungsnot wird die Kommunen in besonderer Weise herausfordern, trotz oder gerade aufgrund rückläufiger kommunaler Einnahmen. Nun gelte es, politische Aufmerksamkeit für die Notsituation zu generieren, den Ausbildungsmarkt zu stabilisieren und neue Zugänge zur Zielgruppe zu schaffen. Gleichzeitig kann die Krise als Chance genutzt werden, neue Akteur*innen in die Kommunale Koordinierung miteinzubinden und das betrieblichen Ausbildungssystem weiterzuentwickeln, um dessen Attraktivität zu sichern.


Die Freudenberg Stiftung ist Mitinitiatorin und Mitglied der Weinheimer Initiative zusammen mit den Mitgliedskommunen der Arbeitsgemeinschaft.