Journal
2022 ... 2021 ... 2020 ... 2019 ... 2018 ... 2017 ... 2016 ... 2015 ... 2014 ... 2013 ... 2012 ... 2011 ... 2010
03 Juni

CIVIS-Medienpreis 2022: TOP Award für "Schwarze Adler"

Der Europäische CIVIS-Medienpreis für Integration und kulturelle Vielfalt ehrte in diesem Jahr mit dem Top Award den Film "Schwarze Adler" über Rassismus im Fußball. Unter rund 800 Einsendungen aus 20 EU-Ländern und der Schweiz wurden am 03. Juni
...read more
×
03/06/2022

CIVIS-Medienpreis 2022: TOP Award für "Schwarze Adler"

Der Europäische CIVIS-Medienpreis für Integration und kulturelle Vielfalt ehrte in diesem Jahr mit dem Top Award den Film "Schwarze Adler" über Rassismus im Fußball. Unter rund 800 Einsendungen aus 20 EU-Ländern und der Schweiz wurden am 03. Juni 2022 acht herausragende Produktionen im TV, Radio, Internet und Kino ausgezeichnet. Die Preisverleihung wurde von ARD, tagesschau24, WDR, ORF, rbb und 3sat übertragen. Es moderierte Anna Dushime.
Photo: CIVIS Medienstiftung /Halim Doğan
"Ich wurde geliebt als Fußballer und abgelehnt als Mensch", sagt Ojokojo Torunarigha, der nach dem Mauerfall als erster afrikanischer Profi in Ostdeutschland spielte.

Der Film "Schwarze Adler" von Torsten Körner blickt auf Rassismus im deutschen Fußball und lässt Schwarze Profispieler*innen aus allen Generationen, darunter Erwin Kostedde, Jimmy Hartwig, Steffi Jones, Anthony Baffoe und Gerald Asamoah, zu Wort kommen. Eindringlich - und beschämend - berichten sie von den Hürden, die sie auf dem Weg in die Nationalmannschaft oder Bundesliga überwinden mussten und welchen rassistischen Anfeindungen und Vorurteilen sie ausgesetzt waren. Die berührenden persönlichen Zeugnisse werden eingebettet in das gesellschaftliche Klima vom Stigma der Kinder amerikanischer Soldaten und ihrer Mütter in der Nachkriegszeit über die gewaltvollen rassistischen Ausschreitungen der 1990er bis hin zu neuen, "weichgespülten" Formen von Rassismus der jüngsten Gegenwart. Schwarze Spielerinnen haben und hatten zudem mit sexistischer Diskriminierung zu kämpfen.

"Das geht ganz tief in einen hinein", sagt Erwin Kostedde, der 1974 als erster Schwarzer für die deutsche Nationalmannschaft spielte. Die Anfeindungen führten dazu, dass er auf dem Spielfeld nicht die Leistungen erbringen konnte, zu denen er fähig gewesen wäre. Auch Journalist*innen stellten oft Fragen "unterhalb der Gürtellinie". Er fühlte sich mehr als Gegenstand denn als Mensch. Otto Addo ging beim Spiel Cottbus gegen Hannover 1997, als der Hass gegen ihn und Gerald Asamoah eskalierte, besonders nahe, dass selbst Eltern mit ihren kleinen Kindern an der Hand nicht davor zurückschreckten, ihn massiv zu beleidigen. Affengeräusche, Sprechchöre, immer wieder das N-Wort. Gerald Asamoah überlegte zeitweise, aus der Nationalmannschaft zurückzutreten. Seine Enttäuschung war groß, als es selbst nach der Euphorie des "Sommermärchens" von 2006, als sich so vieles zu ändern schien, erneut zu rassistischen Beleidigungen im Stadion kam.

Dennoch zeigte der Fußball den Schwarzen Spieler*innen nicht nur sein hässliches Gesicht. Steffi Jones und Shary Reeves berichten, wie sie in ihrer Jugend gerade im Fußball die Zugehörigkeit und den Zusammenhalt erfuhren, der ihnen im Alltag oft verwehrt blieb und ihnen Stärke und Selbstvertrauen vermittelte. Die Spieler*innen erzählen vom unbändigen Stolz, für die Nationalmannschaft spielen zu dürfen, von großer Solidarität ihrer Clubs und Fans. Interviewausschnitte zeugen von Schlagfertigkeit, Witz und Gelassenheit, mit denen viele von ihnen auf expliziten oder nonchalanten Rassismus im Stadion oder Fernsehstudio reagierten.
Als das Fass für sie überlief, erhoben 1990 die damals prominentesten afrikanischen Spieler in Deutschland Tony Baffoe, Souleyman Sané und Tony Yeboah selbst ihre Stimme und schrieben in einem offenen Brief in der Bild-Zeitung: "Was wir im Stadion an Beleidigungen zu hören bekommen, trifft ins Herz. Wir schämen uns für alle, die gegen uns schreien."

Seither hat sich manches verändert, aber es ist noch ein weiter Weg zu gehen, sagen die Spieler*innen und auch Autor/Regisseur Torsten Körner, der selbst mit dem Fußball aufgewachsen ist. Er freut sich daher umso mehr, dass sein Film bereits Einzug in die Bildungsarbeit hält. "(…) Ein sehr durchdachtes Drehbuch, die herausragende Regie, die kunstvolle Kameraführung schaffen ein ebenso lehrreiches wie berührendes Seh-Erlebnis", bestätigt die Jury.

Die Freudenberg Stiftung gratuliert allen CIVIS-Preisträger*innen ganz herzlich für ihre gelungenen Beiträge und die wichtigen Denk- und Diskussionsanstöße, die sie mit ihnen geschaffen haben!



Zur Preisverleihung und weiteren Infos zum CIVIS Medienpreis hier
Der Film "Schwarze Adler" ist in der ZDF-Mediathek frei verfügbar hier

Die Freudenberg Stiftung hat den CIVIS Medienpreis 1988 zusammen mit dem WDR im Namen der ARD und der Bundesintegrationsbeauftragten ins Leben gerufen. Sie ist bis heute Gesellschafterin und Förderpartnerin der CIVIS Medienstiftung.