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25 Oktober

Jubiläum: 10 Jahre Hildegard Lagrenne Stiftung

Die Hildegard Lagrenne Stiftung (HLS) blickt auf zehn Jahre Engagement für Bildung, Inklusion und Teilhabe für Sinti*zze und Rom*nja zurück: Sie wurde am 25. Oktober 2012, einen Tag nach der Eröffnung des lange erkämpften Denkmals für die im
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25/10/2022

Jubiläum: 10 Jahre Hildegard Lagrenne Stiftung

Die Hildegard Lagrenne Stiftung (HLS) blickt auf zehn Jahre Engagement für Bildung, Inklusion und Teilhabe für Sinti*zze und Rom*nja zurück: Sie wurde am 25. Oktober 2012, einen Tag nach der Eröffnung des lange erkämpften Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas, als erste Stiftung der Minderheit gegründet. Unter dem Leitsatz "Die ersten 10 Jahre. Viele Aufgaben für die Zukunft" beging die Stiftung das Jubiläum mit einer Veranstaltung in der Volksbühne in Berlin, bei der vor allem die heranwachsende Generation der Minderheit im Fokus stand.
Photo: Hildegard Lagrenne Stiftung
Ausschlaggebend für die Gründung der Hildegard Lagrenne Stiftung im Jahr 2012 waren die erschreckenden Ergebnisse der RomnoKher-Studie 2011 zur Bildungssituation von Sinti*zze und Rom*nja, die deren desolate Lage mit Blick auf formale Schul- und Berufsabschlüsse ans Licht brachte. "Es gehört nicht länger zu unserer Kultur, ungebildet zu sein", betonten damals die Gründungsmitglieder bei der ersten gemeinsamen Versammlung, entschlossen, der jahrhundertelangen, bis heute andauernden Diskriminierung entgegenzuwirken.

Um eine gleichberechtige (Bildungs-)Teilhabe zu fördern, arbeitet die Hildegard Lagrenne Stiftung seither mit mehreren Handlungsschwerpunkten: Zum einen geht es um Bildungsförderung in Form einer direkten Unterstützung von Personen und Bildungseinrichtungen, z. B. durch Stipendien, Schulmediation, Beratung und Romno Power Clubs. Zum anderen werden Fortbildungen, Studien und Kampagnen gegen Antiziganismus und zur rassismuskritischen Bildung entwickelt und durchgeführt, Institutionen und Kommunen zu diesem Thema beraten und Selbstorganisationen der Minderheit qualifiziert und unterstützt. Mehrheitlich verfolgen die Ansätze der HLS die Maxime "explizit, nicht exklusiv", richten sich also nicht nur, aber besonders an Sinti*zze und Rom*nja und deren spezifischen Bedarfe.

Zehn Jahre nach Gründung hat sich so manches verändert. Die Minderheit ist in ihrer Vielfalt sichtbarer und lauter geworden und inzwischen in zahlreichen Vereinen bundesweit selbstorganisiert. Die Bildungssituation von Sinti*zze und Rom*nja hat sich zumindest im schulischen Bereich deutlich verbessert, auch wenn insgesamt die Diskrepanz zur Mehrheitsbevölkerung erheblich bleibt.

Die Hildegard Lagrenne Stiftung kann stolz auf beachtliche Erfolge blicken - vor allem jedoch bleiben viele Aufgaben für die Zukunft. Diese zu gestalten, liegt in der Hand der jungen Generation von Sinti*zze und Rom*nja. Unterstützt werden sie in mittlerweile acht Städten von den Romno Power Clubs der HLS, die jugendliche Sinti*zze und Rom*nja darin bestärken, selbstbewusst und ambitioniert ihren Weg in Schule, Ausbildung und Beruf zu gehen, ohne ihre Zugehörigkeit zur Minderheit zu verleugnen.

Als Organisation ist die HLS dabei, sich zu einer Stiftung mit bundesweiter Reichweite und Strahlkraft zu etablieren und arbeitet neben zivilgesellschaftlichen Partnern wie Stiftungen mit Bund und Ländern zusammen, aktuell vor allem mit dem Ziel, einen bundesweiten Bildungsfonds für Sinti*zze und Rom*nja aufzubauen. Sie ist federführend in der Qualifizierung und Weiterentwicklung der Roma-Schulmediation und hat erst in diesem Jahr ein überregionales Schulungsprogramm für Mediator*innen für deren eigene berufliche Anschlussperspektiven gestartet.

Ziele hat die HLS noch viele: Mit Blick auf Empowerment und Rollenvorbilder, inklusive Schulcurricula und die besondere Förderung von neu zugewanderten Rom*nja besteht ebenso noch großer Nachholbedarf wie beim Ausbau von offenen Beratungsangeboten, die auch traumabedingte Probleme miteinbeziehen, oder der Stärkung der Kultur- und Identitätsarbeit.

Als eine Stiftung, die von Angehörigen der Minderheit selbst für die eigenen Belange – unabhängig von ethnischen oder nationalen Hintergründen – gegründet wurde, ist die HLS eine besonders glaubwürdige und versierte Expertin, Partnerin und Multiplikatorin auch für die Freudenberg Stiftung, um gemeinsam für eine demokratische Gesellschaft ohne Antiziganismus und andere Formen von Rassismus einzutreten.
Mit großer Anerkennung blicken wir auf den unermüdlichen Einsatz der Hildegard Lagrenne Stiftung in einem Feld, in dem sich Diskriminierung und Ausschluss besonders hartnäckig halten und immer wieder, gerade in Krisenzeiten, mit neuen Projektionen geschürt werden. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum und viel Kraft und Erfolg für alles, was wir noch erreichen wollen!



Die Freudenberg Stiftung hat die Gründung der Hildegard Lagrenne Stiftung maßgeblich unterstützt. Sie fördert die HLS seither institutionell und projektbezogen und arbeitet mit ihr in mehreren überregionalen Kooperationen für eine gleichberechtigte Bildungsteilhabe von Sinti*zze und Rom*nja zusammen.