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07 November

Sächsischer Förderpreis für Demokratie 2022 verliehen

Der diesjährige Sächsische Förderpreis für Demokratie wurde am 07. November 2022 im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im Kleinen Haus des Staatsschauspiel Dresden an sechs sächsische Initiativen und eine Kommune verliehen. Zudem wurde zum
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07/11/2022

Sächsischer Förderpreis für Demokratie 2022 verliehen

Der diesjährige Sächsische Förderpreis für Demokratie wurde am 07. November 2022 im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im Kleinen Haus des Staatsschauspiel Dresden an sechs sächsische Initiativen und eine Kommune verliehen. Zudem wurde zum zweiten Mal der Peter-Henkenborg-Preis für die Didaktik der politischen Bildung vergeben. Begleitet wurde der Festakt durch eine Festrede von Dr. iur. Sergey Lagodinsky (MdEP) und Musikbeiträge des Leipziger Musikers Malte Vief. Eva Sturm (Cellex Stiftung) und Bastian Wierzioch (MDR) moderierten den Abend.
Photo: Amadeu Antonio Stiftung/Lorenz Blumenthaler
"Die aktuellen Krisen steigern die Zukunftsängste in der Bevölkerung und sie kosten die und den Einzelnen viel Kraft. Wir beobachten mit großer Sorge, dass Rechtsextreme versuchen, Ängste gezielt zu schüren und für ihre menschenverachtende Ideologie zu nutzen", sagt Petra Köpping, Staatsministerin für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gerade deshalb müssten die vielen Engagierten aus der Zivilgesellschaft anerkannt und gewürdigt werden, die sich dem - oft ehrenamtlich - kraftvoll und mit großartigen Ideen entgegenstellen.
Das ist Ziel des Sächsischen Förderpreis für Demokratie, der in diesem Jahr zum 16. Mal verliehen wurde. Auch der gemeinsame Auftritt der beiden Staatsministerinnen Katja Meier und Petra Köpping war ein starkes Symbol der Würdigung für die demokratische Zivilgesellschaft. Ausgezeichnet für ihr herausragendes Engagement für Demokratie und gegen Rechtsextremismus wurden sieben sächsische Initiativen und die Stadt Zittau als "Kommune der Demokratie 2022".

Hauptpreis für die Kulturwerkstatt Geithain

Den Hauptpreis, dotiert mit 5.000 EUR, erhielt die Kulturwerkstatt Geithain e.V. für den Aufbau eines Soziokulturellen Zentrums. In ehrenamtlicher Selbstorganisation wird hier ein Freiraum für und mit Jugendlichen geschaffen, der sich gegen die rechte Dominanz vor Ort positioniert. Die Auszeichnung setzt ein deutliches Zeichen gegen den Abbau von Jugendzentren und Jugendsozialarbeit im ländlichen Raum.

Fünf jeweils mit 1.000 EUR dotierte Anerkennungspreise wurden vergeben an das Fanprojekt Dresden e.V., an die Bürgerinitiative aus Mark Schönstädt, an "Freiberg für Alle" sowie an das Antidiskriminierungsbüro Sachsen e.V. und an eine Bürgerinitiative vom Wartburgplatz in Plauen.

Kommune der Demokratie Zittau

Die Auszeichnung als "Kommune der Demokratie 2022" ging an die Stadt Zittau. Die Stadtspitze in Zwickau hatte sich den demokratiefeindlichen Protesten gegen die Corona-Politik entschieden entgegengestellt und Dialogveranstaltungen organisiert, aber auch mit der Aktion "Licht aus", bei der die Weihnachtsbeleuchtung während der Proteste abgeschaltet wurde, ein klares Zeichen gesetzt.

Politische Bildung gegen antimuslimische Ressentiments

Zum zweiten Mal wurde der Peter-Henkenborg-Preis für die Didaktik der politischen Bildung in Kooperation mit dem Sächsischen Staatsministerium der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung verliehen. Den mit 3.000 EUR dotierten Preis erhielt der Verband binationaler Familien und Partnerschaften (iaf e.V.) in Leipzig für seine Materialbox "Macht und Medien", in der mittels rassismuskritischer Workshopmaterialien antimuslimische Ressentiments offenlegt werden, um zur Reflexion der eigenen Perspektive anzuregen.

"Wir müssen die politische Bildung in Sachsen weiter stärken", so Demokratieministerin Katja Meier, für eine "starke, agile Zivilgesellschaft, die klare Kante zeigt gegen antidemokratische Strömungen, Populismus und gegen die vielen Auswüchse gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit."

Podiumsdiskussion "Resilienz in der Demokratie"

Gerahmt wurde die Preisverleihung von einer Podiumsdiskussion zum Thema "Antwort auf und Umgang mit gesellschaftlichen Krisen - Resilienz in der Demokratie" mit Manja Präkels (Autorin, Musikerin, Journalistin), Martina Glass (Geschäftsführerin Netzwerk für Demokratische Kultur e.V.), Özcan Karadeniz (Geschäftsführer Verbande binationaler Familien und Partnerschaften).
Alle sind in der Demokratiearbeit in Ostdeutschland engagiert und sehen die aktuellen besorgniserregenden Entwicklungen dort - aber auf der anderen Seite auch viel Potenzial und Bewegung derjenigen, die für eine vielseitige, demokratische Gesellschaft eintreten wollen. Diese müssten noch stärker unterstützt werden, auch von Kommunen, durch Infrastruktur, insbesondere in ländlichen Regionen, aber auch durch ein anderes Bildungsverständnis in Schulen. Demokratie könne dann als lebendig erfahren werden, wenn Menschen sich wirkmächtig fühlen, betonen alle, Anerkennung erfahren, Beziehungen und Netzwerke aufbauen können und - auch physische - Orte haben, an denen sie sich angstfrei und niedrigschwellig begegnen und einbringen können.

Die Freudenberg Stiftung gratuliert allen Preisträger*innen ganz herzlich und wünscht ihnen weiterhin viel Erfolg bei ihrem wichtigen Engagement!


Der Sächsische Förderpreis für Demokratie wird ausgelobt von der Amadeu Antonio Stiftung, der Freudenberg Stiftung, der Sebastian Cobler Stiftung und der Dirk Oelbermann Stiftung.