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06 Mai

Hass und Angriffe auf Medienschaffende nehmen zu

Gemeinsam mit der Universität Bielefeld hat der Mediendienst Integration eine neue Studie zu Hass und Angriffe gegen Medienschaffende veröffentlicht. In einer Online-Pressekonferenz am 06. Mai 2020 wurden die zentralen Ergebnisse der Studie
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06/05/2020

Hass und Angriffe auf Medienschaffende nehmen zu

Gemeinsam mit der Universität Bielefeld hat der Mediendienst Integration eine neue Studie zu Hass und Angriffe gegen Medienschaffende veröffentlicht. In einer Online-Pressekonferenz am 06. Mai 2020 wurden die zentralen Ergebnisse der Studie vorgestellt und mit Prof. Dr. Andreas Zick (Universität Bielefeld), der Journalistin Gilda Sahebi und dem Staatsanwalt Dr. Christoph Hebbecker diskutiert.
Anfang Mai wurde ein Kamerateam des ZDF in Berlin brutal angegriffen, einige Tage später Journalisten der ARD, wieder am Rande einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen. Keine Seltenheit in Deutschland: 60 % der für die Studie von Mediendienst Integration und Universität Bielefeld befragten Medienschaffenden gaben an, im vergangenen Jahr Hass und Gewalt erlebt zu haben. 16 % hatten im Laufe ihres Berufslebens sogar schon eine Morddrohung erhalten. Die Anzahl der Betroffenen stieg damit gegenüber der 2017 veröffentlichten Studie um 20 %.

Der Hass kommt von rechts: Über 80 % der Angriffe lassen sich klar dem rechten politischen Spektrum zuordnen. Es sind bestimmte Themen, die die Gewalt triggern: Migration, Geflüchtete, AfD und neuerdings verstärkt der Klimawandel. Um sich zu schützen, gaben viele Journalist*innen an, die Berichterstattung über manche Themen zu vermeiden. Diese Selbstzensur stellt eine große Gefahr für die journalistische Freiheit in Deutschland dar - und verhindert Angriffe nur bedingt, da es gerade Strategie der Rechten ist, jegliche Inhalte mit Migration und Flucht in Verbindung zu bringen und rassistisch aufzuladen, so die Journalistin Gilda Sahebi.

Der Hass hat sich radikalisiert, ist schärfer und undifferenzierter geworden, fassen die an der Studie beteiligten Wissenschaftler die Veränderungen der letzten Jahre zusammen. Die Angriffe basieren zumeist auf einer unterstellten politischen Orientierung, sind Ausdruck tiefgreifender "ideologischer Grabenkämpfe" (Prof. Dr. Andreas Zick).

Das Thema sei aktuell hoch wie nie auf der Agenda von Justiz und Gesetzgeber und eine effektive Strafverfolgung bei Hate Speech möglich, zeigt sich Staatsanwalt Dr. Christoph Hebbecker optimistisch. Aber auch die Gesellschaft sei gefragt, um den Täter*innen keine Grundlage zur Legitimation ihrer Angriffe zu bieten und die wichtige Rolle von Journalismus für die Demokratie wieder stärker anzuerkennen.


Die Studie basiert auf einer anonymen Online-Umfrage, die von Oktober bis Dezember 2019 durchgeführt wurde. Teilgenommen haben 322 Journalist*innen. Die Studie ist nicht repräsentativ, gibt aber Einblicke in den Arbeitsalltag Medienschaffender in Deutschland. Sie wurde von der Freudenberg Stiftung gefördert. Seit der Veröffentlichung haben bereits über 100 Medien über die Studie berichtet, darunter die Tagesschau.