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08 November

Sächsischer Förderpreis für Demokratie 2021 vergeben

Im Staatsschauspiel Dresden wurde am 08. November zum 15. Mal der Sächsische Förderpreis für Demokratie verliehen, der jährlich Initiativen, Vereine und Kommunen auszeichnet, die sich für Menschenrechte und Demokratie in Sachsen stark machen. Der
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08/11/2021

Sächsischer Förderpreis für Demokratie 2021 vergeben

Im Staatsschauspiel Dresden wurde am 08. November zum 15. Mal der Sächsische Förderpreis für Demokratie verliehen, der jährlich Initiativen, Vereine und Kommunen auszeichnet, die sich für Menschenrechte und Demokratie in Sachsen stark machen. Der Preis schafft öffentliche Anerkennung für mutige Bürger*innen und Politiker*innen, die sich mit ihrem Engagement oft gegen den Mainstream stellen und zu Wandel und Umdenken beitragen. In diesem Jahr wurden gleich zwei Hauptpreise vergeben und erstmals der "Peter-Henkenborg-Preis" für herausragende Ansätze der politischen Bildung.
Foto: Amadeu Antonio Stiftung
Besonders überzeugen konnten die Initiative "bring back our neighbours", ein Zusammenschluss von Menschen aus Pirna, die erfolgreich gegen die Abschiebung einer Familie aus Georgien protestiert hatten, und der Verein "colorido e. V.", in dem Bürger*innen aus Plauen und dem Vogtland Proteste gegen rechtsextreme Strukturen organisieren und sich mit künstlerischen und kulturelle Angeboten für Demokratie einsetzen. Beide erhielten einen mit 3.000 EUR dotierten Hauptpreis.

Die mit jeweils 1.000 EUR dotierten Anerkennungspreise gingen an Christopher Street Day Chemnitz e.V., den Jugendverein Roter Baum e.V., die Initiative gegen rechte Gewalt SAfT e.V. und das Medienbildungsprojekt "spreu x weizen".

Die Stadt Hoyerswerda erhielt den diesjährigen Kommunenpreis. Gewürdigt wurde die in jüngerer Zeit vorbildliche und engagierte Aufarbeitung der rassistischen Pogrome vor 30 Jahren. Mittlerweile sprechen die Bürger*innen offen über die Geschehnisse und auch Migrant*innen, die damals in Hoyerswerda lebten, wird immer mehr ermöglicht, öffentlich über ihre Erfahrungen zu berichten. Der Preis soll die Stadt ermutigen, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Nach der bereits zurückliegenden Auszeichnung der RAA Ostsachsen, die sich unmittelbar nach dem Pogrom gegründet hat, und sich seit 1991 für ein klares Bekenntnis von Stadt und Zivilgesellschaft für eine kulturelle vielfältige Stadtgesellschaft einsetzt, ist dies ein erneuter Meilenstein.

Den ersten "Peter-Henkenborg-Preis" erhielt der Verein ASA FF e. V. für das Projekt "Offener Prozess". In dem Projekt werden Formate zur NSU-Aufarbeitung in Sachsen entwickelt, die das Thema für ein breites Publikum gut zugänglich machen und einen Beitrag zum Gedenken an die Opfer zu leisten. Es werden u. a. eine Ausstellung und verschiedene Formate für den Unterricht entwickelt, um das Thema dauerhaft in der Schule zu verankern. Der Bürgermeister der Stadt Hoyerswerda lud die Initiator*innen des Projekts "Offener Prozess" in seine Stadt ein, um dort die Ausstellung zu zeigen und an Schulen aktiv zu werden. Der mit 3.000 EUR dotierte neue Sonderpreis wird vom Sächsischen Justizministerium unterstützt und ist nach dem verstorbenen Didaktik-Professor der TU Dresden, Peter Henkenborg, benannt.

"Ihre Arbeit ist Ermutigung für uns", so Joachim Klement, Intendant des gastgebenden Staatsschauspiels Dresden. Sich angesichts von Hass und Hetze nicht in ein persönliches Refugium zurückzuziehen, sondern den öffentlichen Raum wie das Theater als Ort für neues Denken und Phantasie zu nutzen, sieht er als zentrale Aufgabe. Der Staatssekretär im sächsischen Sozialministerium, Sebastian Vogel, der für das Programm "Weltoffenes Sachen" verantwortlich ist, sieht in den Preisträger*innen den Beweis, dass lebenswerte Demokratie auch auf dem flachen Land zu finden ist. Die sächsische Justizministerin Katja Meier betonte die Verantwortung der staatlichen Behörden für die Verfolgung rechtsextremer Straftaten. Als eine Konsequenz der insgesamt 13 staatlichen Untersuchungsausschüsse zum NSU setzt sie sich für ein Dokumentationszentrum zum NSU-Terrorismus ein. Anfang November 2021 hat sie den RAA Sachsen e.V. damit beauftragt, ein Konzept für ein solches Zentrum zu erarbeiten.

Die Literaturwissenschaftlerin Katharina Warda machte in ihrer Laudatio schmerzhaft spürbar, wie sich die Wende für sie als schwarzes ostdeutsches Mädchen angefühlt hat. Und beschrieb eindrucksvoll, wie der Rassismus-Ping-Pong zwischen West- und Ostdeutschland die gemeinsame Aufarbeitung der rassistischen Vergangenheit und Gegenwart erschwert.

Die Freudenberg Stiftung gratuliert allen Preisträger*innen ganz herzlich und wünscht ihnen weiterhin viel Erfolg bei ihrem wichtigen Engagement!


Der Sächsische Förderpreis wird ausgelobt von der Amadeu Antonio Stiftung, Dirk Oelbermann Stiftung, Freudenberg Stiftung, Sebastian Cobler Stiftung und Doris-Wuppermann-Stiftung.