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18. Juni

Verleihung des Rudolf-Freudenberg-Preises 2018

Unter dem Motto „Innovative Geschäftsideen und -konzepte“ wurde am 18.06.2018 der diesjährige Rudolf-Freudenberg-Preis in der Festung Mark in Magdeburg an das Inklusionsunternehmen Priska gGmbH verliehen. Ein Sonderpreis ging zudem an das
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18.06.2018

Verleihung des Rudolf-Freudenberg-Preises 2018

Unter dem Motto „Innovative Geschäftsideen und -konzepte“ wurde am 18.06.2018 der diesjährige Rudolf-Freudenberg-Preis in der Festung Mark in Magdeburg an das Inklusionsunternehmen Priska gGmbH verliehen. Ein Sonderpreis ging zudem an das Inklusionsunternehmen AfB gGmbH.
Das Inklusionsunternehmen Priska gGmbH durfte sich über den diesjährigen Rudolf-Freudenberg-Preis freuen. (Foto: bag if)
Der Namensgeber des mit 5.000 Euro dotierten Preises, den die Freudenberg Stiftung seit 2005 zusammen mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Inklusionsfirmen jährlich verleiht, der Sozialpsychiater Rudolf Ernst Freudenberg, erkannte schon Mitte des 20. Jahrhunderts die positive Wirkung, die qualifizierte Arbeitsgelegenheiten auf den Verlauf vieler psychischer Erkrankungen haben können. Trotzdem werden auch heute noch Arbeitsplätze für Menschen mit Psychiatrieerfahrung weitaus schlechter gefördert als die anderer Behinderungsgruppen. Der Rudolf-Freudenberg-Preis setzt daher ein wichtiges Signal an Unternehmenswelt und Öffentlichkeit, um auf das große Potenzial aufmerksam zu machen, das in der beruflichen Inklusion von Menschen mit psychischen und anderen Beeinträchtigungen liegt, wenn Kreativität, unternehmerisches Können, Flexibilität und die Wertschätzung von Vielfalt aufeinandertreffen.

Überzeugt hat die Jury in diesem Jahr der Catering- und Kantinenservice Priska gGmbH, der alle Vergabekriterien – Innovativität, wirtschaftlicher Erfolg und Übertragbarkeit – auf herausragende Weise erfüllt. Seit seiner Gründung in 2005 gelang es Priska, kontinuierlich zu wachsen und mit mittlerweile 100 Mitarbeitenden an 24 Standorten die Schul-, Kindergarten- und Betriebsverpflegung mit ca. 5.000 Essen täglich zu übernehmen. Gerade weil Dienstleistungen im Großküchenbereich zu den klassischen Geschäftsfeldern von Inklusionsbetrieben gehört, sticht die Priska gGmbH hier heraus und kann ein Modell für andere Unternehmen sein, indem sie neben einer hohen Qualität der Speisen auf originelle und pädagogisch sinnvolle Marketingstrategien setzt. In den belieferten Schulen werden die jungen Gäste zum Beispiel auf unterhaltsame Weise über die Nährstoffe von regionalen Obst- und Gemüsesorten aufgeklärt, mit Gewinnspielen zum Probieren ungewöhnlicher Speisen animiert oder mit Themenwochen und ansprechender Deko auf den Geschmack von frischem, gesunden Essen gebracht.

Mit einem undotierten Sonderpreis zeichnete die Jury zudem den IT-Dienstleister AfB gGmbH aus und würdigte damit die unternehmerische Gesamtleistung des Unternehmens. Obwohl die AfB gGmbH bereits zu stark expandiert hat, um den preisrelevanten Aspekt der Übertragbarkeit erfüllen zu können, weist es beeindruckende Erfolge und Innovationskraft auf hinsichtlich seiner überregionalen und sogar europäischen Marktausrichtung, seines nachhaltigen ökologischen Ansatzes und insbesondere seines Ausbildungskonzepts mit dem Ziel, Menschen mit Behinderung eine IHK-anerkannte Ausbildung und damit den Eintritt in den ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen.
Beide Unternehmen haben sich somit nicht nur mit einem erfolgreichen Inklusionskonzept verdient gemacht, sondern weisen darüber hinaus durch einen besonders nachhaltigen Umgang mit Ressourcen – die Verwendung regionaler Produkte sowie Ernährungsaufklärung beziehungsweise die Reduzierung von Elektroschrott durch die Aufbereitung und den Vertrieb gebrauchter IT-Hardware – einen weiteren gesamtgesellschaftlichen Mehrwert auf.

Beide Beispiele zeigen auch, dass ein inklusiver Arbeitsmarkt nicht bedeutet, die besonderen Bedarfe von Menschen mit (psychischen) Behinderungen zu negieren oder dass alle Aufgaben von allen Menschen übernommen werden können, aber dass Menschen mit Behinderungen nicht als abgrenzbare Gruppe Menschen „ohne“ Behinderungen gegenüberstehen und dass viele vermeintliche Hürden in Möglichkeiten verwandelt werden können, die für alle Beteiligten gewinnbringend sind.