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15. November

Perspektiven für Alle – Fachtag "Entkoppelte Jugendliche"

Kein Abschluss, keine Ausbildung, kein Job. Manche Jugendlichen haben es besonders schwer, eine Perspektive für ihre Zukunft zu entwickeln. Wie kommt es dazu und was hilft ihnen am besten? Um gemeinsam über dieses wichtige Thema ins Gespräch zu
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15.11.2023

Perspektiven für Alle – Fachtag "Entkoppelte Jugendliche"

Kein Abschluss, keine Ausbildung, kein Job. Manche Jugendlichen haben es besonders schwer, eine Perspektive für ihre Zukunft zu entwickeln. Wie kommt es dazu und was hilft ihnen am besten? Um gemeinsam über dieses wichtige Thema ins Gespräch zu kommen, kamen am 15. November Vertreter*innen aus der Jugendsozialarbeit, Wissenschaft, Politik und Verwaltung in der Heidelberg Südstadt zu einem Fachtag zusammen.
Foto: Trägerverbund "Läuft"
Eine unsichere Wohnsituation, Gewalt in der Familie, Mobbing oder psychische Erkrankungen – die Gründe, warum manche junge Menschen aus sämtlichen institutionellen Kontexten herausfallen, sind sehr unterschiedlich. Häufig sind es mehrere Problemlagen, mit denen die Jugendlichen konfrontiert sind.

Im Fokus des Fachtags stand sowohl das Bestreben, die Problemlagen und Bedürfnisse dieser jungen Menschen besser zu verstehen, als auch Wissen darüber auszutauschen, wie sie am besten unterstützt werden können. Eingeladen hatten die Jugendagentur Heidelberg, Job Central Weinheim, der VBI Heidelberg und die Werkstattschule Heidelberg. Gemeinsam haben sie sich zu einem Trägerverbund zusammengeschlossen und bieten im Rahmen des Projekts "Läuft" Jugendlichen aus dem Rhein-Neckar-Kreis individuelle und niedrigschwellige Unterstützung.

Einen wertvollen wissenschaftlichen Einblick in das Thema gab Sarah Beierle, Diplom-Sozialwissenschaftlerin vom Deutschen Jugendinstitut. Sie berichtete von der Situation "entkoppelter" Jugendlicher, die weder in Ausbildung noch in Arbeit sind und keine Leistungen vom Jobcenter beziehen. Auch die schwierige Situation von wohnungs- oder obdachlosen Jugendlichen und die gemischten Erfahrungen der Jugendlichen mit Hilfsstrukturen wurden beleuchtet. Eine zentrale Botschaft: Um erfolgreich zu helfen, muss den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnet werden, zudem müssen verlässliche und langfristige Strukturen aufgebaut werden.

Auch die Berichte aus der Praxis vermittelten einen wertvollen Eindruck davon, wie entkoppelten Jugendlichen sinnvoll geholfen werden kann. Lebendig berichteten die Mitarbeitenden des Trägerverbunds von ihren Erfahrungen im Projekt "Läuft", das vom Jobcenter Rhein-Neckar-Kreis, der Europäischen Union und dem Jugendhilfswerk Wiesloch e.V. gefördert wird. Seit 2019 wurden über 530 Jugendlichen unterstützt, mehr als ein Drittel davon hatte keinen Schulabschluss. Ein großer Erfolg: Über 85 Prozent davon schafften es zurück ins Regelsystem, also in Schule, Ausbildung, Programme des Sozialsystems oder einen Job.

Auch die teilnehmenden Jugendlichen empfinden diese Art der Unterstützung als sehr hilfreich. Dies zeigt eine Studie, die von der Freudenberg Stiftung in Auftrag gegeben und von Dr. Katrin Hamid von Job Central durchgeführt wurde. In ihrem Vortrag dazu zeigte die Kulturwissenschaftlerin auf, was Jugendliche am Projekt besonders schätzen. Dazu gehören seine Funktion als unbürokratische Anlaufstelle für verschiedene Probleme, die Akzeptanz der jungen Menschen mitsamt ihren Schwächen und das Motivieren ohne Druck.

Trotz der sehr guten Erfahrungen vonseiten der Träger und des Jobcenters sowie den positiven Evaluationsergebnissen bleibt die Finanzierung des Projekts "Läuft" bisher prekär. In der abschließenden Podiumsdiskussion mit Expert*innen aus Verwaltung, Wissenschaft und Politik ging es daher darum, wie das Projekt verstetigt werden könnte. Denn die Schaffung verlässlicher Hilfsstrukturen für entkoppelte Jugendliche scheint nicht nur angesichts zahlreicher unbesetzter Ausbildungsstellen im Zuge des Fachkräftemangels ein drängendes Ziel. Auch für eine zukunftsfähige und demokratische Gesellschaft ist es wichtig, dass junge Menschen Unterstützung dabei bekommen können, ihren Weg zu finden.

Ein Video zum Projekt "Läuft", in dem betroffene Jugendlichen zu Wort kommen, findet sich hier.

Die Freudenberg Stiftung unterstützt den Träger Job Central und hat eine Studie zu den Erfahrungen und Bedarfen von entkoppelten Jugendlichen initiiert und gefördert.