Peter Höllenreiner ist tot. 1939 geboren, wurde er nach seinem 4. Geburtstag ins KZ Auschwitz deportiert. Mit seiner Familie wurde er nach Ravensbrück, Mauthausen und Bergen-Belsen verschleppt und ihm ein Z für "Zigeuner" auf den Arm tätowiert.

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20. Juli

Im Gespräch: Neues Webprojekt von Mediendienst Integration und Deutscher Journalistenschule

Betroffene von Hassverbrechen und Journalist*innen ins Gespräch bringen und dadurch zu einer sensibleren Berichterstattung beitragen will das neue Multimedia-Projekt
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20.07.2020

Im Gespräch: Neues Webprojekt von Mediendienst Integration und Deutscher Journalistenschule

Betroffene von Hassverbrechen und Journalist*innen ins Gespräch bringen und dadurch zu einer sensibleren Berichterstattung beitragen will das neue Multimedia-Projekt #imgespräch, das der Mediendienst Integration und die Deutsche Journalistenschule gemeinsam entwickelt haben.
"Bei manchen Korrespondenten – insbesondere gleich nach dem Anschlag – gab es übertriebene Aufdringlichkeit, oft ohne Rücksicht auf unseren Zustand nach dem Anschlag und auf die Gebote/Verbote der jüdischen Religion", sagt Max Privorozki, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Halle, im Gespräch mit Martin Machowecz von der Zeit.

Nach rechtsextremen oder rassistischen Angriffen übernehmen Journalist*innen, unter hohem Zeitdruck, häufig die Informationen der Behörden und beziehen die Perspektive der Betroffenen nicht ausreichend ein. Falsche Zuschreibungen, unsensible Wortwahl und eine Fokussierung auf die Täter*innen können die Opfer aber zusätzlich verletzen. Nach dem versuchten Massenmord in Halle zum Beispiel sendeten ARD und Bild Sequenzen aus der Helmkamera des Täters, übernahmen so – trotz Einordnung – dessen Dramaturgie. Den rassistischen Anschlag in Hanau im Februar 2020, bei dem neun Menschen getötet wurden, bezeichnete der Focus zwischenzeitlich als "[die] Shisha-Morde", und viele Medien sprachen von einer "fremdenfeindlichen Motivation" des Täters. Dies sei aber problematisch, kritisierten u. a. die Neuen deutschen Medienmacher*innen und die Amadeu Antonio Stiftung, da so die Perspektive des Täters aufgegriffen werde.

Basierend auf Begegnungen zwischen Betroffenen der rechtsextremen Anschläge in Hanau und Halle, bietet das Multimedia-Format #imgespräch nun Medienschaffenden Empfehlungen und Denkanstöße für die Recherche, den Kontakt mit Betroffenen und die Veröffentlichung von Beiträgen.



Die Freudenberg Stiftung unterstützt den Mediendienst Integration, eine Informations-Plattform für Medienschaffende zu den Themen Migration, Integration und Asyl in Deutschland, seit seiner Gründung im Jahr 2012.